DJG Bayern e.V.
Die Manga und die Weltliteratur | Vortrag von Dr. Inga Streb
Die Manga und die Weltliteratur | Vortrag von Dr. Inga Streb
Ort: IBZ, Amalienstraße 38, München
Typ: Offline-Veranstaltung
DJG-Veranstaltung: Ja
Die japanischen Comics, die Manga 漫画, machen heute rund ein Drittel der gesamtem einheimischen Druckproduktion aus – und bieten eine kaum noch überschaubare Menge an Ge-schichten und Berichten aus allen Lebensbereichen. Der überwiegende Teil der Publikationen gehört zum großen Bereich der Unterhaltung, den Geschichten.
Wie kann man als Käufer und Leser in diesem überwältigenden Angebot noch einen Überblick bewahren? Welche Zauberformel macht den Weg frei für eine erfolgreiche Suche nach der ganz besonderen Ausgabe?
In meinem Vortrag soll zunächst in einem historischen Überblick die Entstehung und Entwicklung des heutigen Mangas aufgezeigt werden: von den einfachen kurzen Comicstrips zu mehr-bändigen, tausendseitigen Serien, die über Jahre oder Jahrzehnte hinweg ihr Millionenpublikum finden.
Historisch gesehen begannen die Manga als un-terhaltsamer Lesestoff für Kinder, konnten jedoch bald und in rascher Folge ihr inhaltliches und formales Repertoire erweitern. Auch die Verlage trugen wesentlich mit ihrem speziellen Geschäftsmodell zum Erfolg bei, indem sie ihr Publikum nach Alter und Geschlecht in Ziel-gruppen segmentierten und im Hinblick darauf die Genres des Jungen- (shōnen), Mädchen- (shōjo), Jugend- (seinen) und Frauenmanga (josei) entwickelten – und bis heute auch deutlich als solche kennzeichnen.
Dieses Kategorien-Gerüst macht den Manga-Kosmos trotz der fortlaufenden thematischen und gestalterischen Diversifizierungen und Erweiterungen grundsätzlich durchlässig und überschaubar.
Im zweiten Teil des Vortrags geht es um die Rolle der Manga-Bearbeitungen innerhalb der Literaturübersetzungen ausländischer und einheimischer kanonischer Werke.
Als Beispiele werden für jeweils einen Titel mehrere Manga-Adaptionen vorgestellt: zuerst aus der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts Johann Wolfgang Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ Wakaki Weruteru no nayami und danach aus der japanischen Literatur des 11. Jahrhunderts „Das Kopfkissenbuch“ Makura no sōshi von Sei Shōnagon.
An diesen beiden Beispielen werden neben allgemeinen Fragen zur Übersetzung speziell die inhaltlichen Bezüge zwischen dem Original und der jeweiligen Manga-Bearbeitung aufgezeigt. Dabei sollen auch die Funktionen der einzelnen Strukturelemente der Manga - wie u.a. Panel-Anordnung, Bildsprache, Flow etc. - deutlich gemacht werden. Die Manga stammen vorwiegend aus den letzten Jahren.
Share
