Zu Produktinformationen springen
1 von 1

DJG Bayern e.V.

Jenseits der Anonymität der Megacity: Tōkyō, Prof. Dr. Schulz

Jenseits der Anonymität der Megacity: Tōkyō, Prof. Dr. Schulz

Mittwoch
21.01.2026
19:00 Uhr
Veranstaltungsdetails

Ort: IBZ

Typ: Offline-Veranstaltung

DJG-Veranstaltung: Ja

Preis (Bitte passend mitbringen!):

Jenseits der Anonymität der Megacity: Tōkyō als dynamisches Gefüge von Orten der Zugehörigkeit und Begegnung

Vortrag von Prof. Dr. Evelyn Schulz (Japan-Zentrum, LMU München)

Einsamkeit und soziale Isolation zählen in Japan zu den zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Sie betreffen ländliche Regionen ebenso wie urbane Räume wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Demgegenüber beschreiben neuere Publikationen wie Emergent Tōkyō (2022) und Sharing Tōkyō (2023) die japanische Hauptstadt als einen dynamischen urbanen Organismus, der durch spontane Entwicklungen, vielfältige kulturelle Einflüsse und gemeinschaftliches Engagement geprägt ist. Im Zentrum dieses Diskurses stehen kleinräumige Stadtraumstrukturen, die menschliche Maßstäblichkeit und Nach- barschaftlichkeit fördern und als vital, lebenswert sowie besonders anpassungsfähig an sich wandelnde sozioökonomische Bedingungen gelten.

In diesen Kontext lässt sich auch das Projekt The Tōkyō Toilet einordnen, das durch Wim Wenders’ Film Perfect Days internationale Aufmerksamkeit erlangte. Der Film entstand im Umfeld des 2018 in Shibuya initiierten Projekts, bei dem 16 Architekt:innen darunter Pritzker-Preisträger wie Ban Shigeru, Ando Tadao und Maki Fumihiko öffentliche Toiletten entwarfen. Durch ihre innovative und inklusive Gestaltung setzten sie neue Maßstäbe in einem oft übersehenen Bereich der Architektur. Die Anlagen wurden überwiegend in kleinen Parks und urbanen Nischen realisiert und stehen exemplarisch für die Verbindung von Design, Funktionalität und sozialem Nutzen. Perfect Days eröffnet dabei vielfältige Perspektiven auf Einsamkeit und soziale Isolation und verdeutlicht, wie alltägliche Infrastrukturen zur Aufwertung urbaner Räume beitragen können ohne jene aus dem Blick zu verlieren, deren Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe eingeschränkt ist.

Ziel meines Vortrags ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und an- hand ausgewählter Beispiele zu zeigen, wie kleinräumige Interventionen in einer ent- grenzten Megacity wie Tōkyō zur Schaffung von Orten der Zugehörigkeit und Begegnung beitragen können. Dabei fließen stadtsoziologische Diskurse ein, die auf theoretischen Ansätzen des 20. Jahrhunderts basieren und zugleich gegenwärtige urbane Transformationsprozesse reflektieren.

Evelyn Schulz ist Professorin für Japanologie am Japan-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität Mün- chen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen – neben der Literatur und Kultur des modernen Japan – in der kultur- und literaturwissenschaftlichen Stadtforschung, insbesondere mit Fokus auf Tōkyō. In diesem Kontext befasst sie sich mit Entschleunigungsphänomenen und Postwachstumsdiskursen im heutigen Japan; ein weite- rer Schwerpunkt liegt auf Einsamkeit und Hikikomori aus literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektiven. Evelyn Schulz ist langjähriges Vorstandsmitglied der DJG.

Vollständige Details anzeigen